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Schnatter Schnatter

07.10.15
8 min
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Ich hab mich an zwei junge Frauen herangeschlichen und dieses Gespräch belauscht:

Katja:

“Warum tun die ganzen Kunstfuzzies nicht etwas Vernünftigeres?”

Sarah:

“Ach lass diese Leute doch in Ruhe, es gibt Schlimmeres, wir müssen doch dankbar sein dass die nicht mit Waffen handeln oder so.”

Katja:

“Also Sarah, die Ungerechtigkeit spricht doch deutlicher als alles andere zu uns? 

Warum also gerade mit Kunst zutun haben?”

Sarah:

“Schau, es gibt so viel Geld da, viel Prestige in cooler, chiquer Szene, die waren ratlos was sie sonst machen wollen. Deren Persönlichtstendenzen sind eh eher hedonistisch, exzentrisch, die sind schillernd, disozial. Die Kunstszene ist ein einzige, hoffnungslose, frühpubertäre Resignation und Kapitulation, eine rein asoziale Gebärde. Und die Kunst selbst unterliegt einer völligen Überwertung innerhalb der Szene und das steht, so finde ich, in starkem Kontrast mit einer schwachen Rechtfertigung der Szene selbst, dessen was sie tut. Rechtfertigung findet vorallem durch den Markt nicht aber durch das was sie ist, statt. Das Misstrauen und Unverständnis von Aussen ist gross, hörst Du manchmal was die Leute die damit nichts zutun haben, egal wer,  darüber sagen?

Katja:

“Jetzt beruhige Dich mal wieder, Kunst gibt einem einfach viel, diese feine, bewegliche Denklinie, diese Brise, dieses stimmulierende Denkbare dabei, die Schönheit und die tollen Materialen, Farben, Formate, die Grösse, die Feinheiten der Herstellung oder denk doch nur daran wie viel Ersatz für diese frustrierende, veraltete Reliösität da drin steckt, man hat ein spirituelles, ein mysthisches Erlebnis mit Kunst oder zumindest etwas irgendwie ähnliches. Ich glaub einfach das das ein Ersatz für die rituellen Treffen, die Feste der Kirchen, der Religionen geworden ist, zu einer Eröffnung gehen oder sich damit irgendwie umgeben. Da kann man mit all den Leuten, dem Getue echt Sinn generieren. Und man muss mit denen garnicht reden, man kann einfach nur da sein, das Ereignis, das Spektakel passiert ganz von allein. Nichts muss man beitragen und trotzdem werde ich wahrgenommen, darf mittrinken, rumstehen, dazugehören. Nichts muss ich wissen über die Kunst, ganz wissens und -geschichtslos ist sie dann oft, ganz leicht konsumierbar, das ist doch herrlich?”

Sarah:

” Genau das alles finde ich ja gerade beschissen daran.

Alles was Du sagst, gilt ja für alle: Die Künstler, die Käufer, das Publikum, die Verkäufer, keiner weiss so richtig was er da eigentlich macht, wozu das Ganze, für wen? Niemand muss niemandem gegenüber etwas rechtfertigen. Aber das ist doch eigentlich wichtig wenn ich zeigen, sagen muss, warum ich etwas tue, wie es sich anfühlt. Rechtfertigungen müssen doch auch gegenüber möglichst Vielen funktionieren: das Leben der mir bekannten Künstler versteht sich meist als ein mögliches, asoziales Nischensein, das unsere Gemeinschaft zum Glück ermöglicht.

Der Künstler macht einfach irgendwas, seine Arbeit ist Ausdruck irgendeines individuellen Moments, er braucht ganz unbeirrt keine Verantwortung zu übernehmen, er stellt sich nur scheinbar zu Diskussion. Niemand muss das da, Verantwortung übernehmen. Eben ein kommunikationsloses Geflecht aus Geschäften, asozialer Gesten und narzistischem Getue. Warum müssen wir anderen bei deren Reifung oder Bewältigung zusehen? Kunst dient niemals dazu etwas zu erklären: So viele nutzen sie um für ihre wirren Gedanken eine Form zu finden.Wie kleine Kinder. Und das schlimmste für mich: das philosophisch ungenaue und überforderte Denken der Leute da.”

Katja:

“Du Sarah mir ist bei all dem viel wichtiger diese Erfahrung die ich dort in der Kunst am besten machen kann: Da entzieht sich mir immer was, ich gehe hin mit meinem Werkzeug aus dem Alltag, aus der Arbeit und das bringt mir da nichts. Irgendwie ist Kunst so unähnlich dem Menschen, so wie ich ihn kenne. Mir ist egal ob da reif und intelligent und achtsam miteinander gesprochen wird, das Asoziale, nein, ich fühle mich einfach und unabhängig von den Menschen dort hingezogen von etwas das sich mir zeigt ohne das ich persönlich gemeint bin, irgendwie jenseits dessen was ich so einfach fassen kann auch trotz seiner Komplexität”

Sarah:

” Gut dann ist Kunst nur gut gegen die Einsamkeit, man kann alleine mit ihr sein, sie macht was, das den anderen ersetzt, wie ein Hund. Man nimmt die Kunst dann braucht man keine Beziehung.”

Katja:

“Wo ich Dir recht gebe ist, das das ganze Kunst Ding schlussendlich einen sehr unentschlossenen, unsicheren Eindruck macht, deshalb sind die auch so arrogant. Das ganze Phänomen ist doch nichts weiter als der Ausdruck der Probleme, des Humors einer zutiefst spiessigen, eher ungebildeten Mittelklasse. Die sind doch total verklärt. Deine Probleme, meine Probleme, die Probleme, die Erlebnisse und Erfahrungen der Menschen die sind echt, wirklich, heftig, bedrohlich, langweilig, normal usw. aber das sind alles Dinge, die der Künstler in seiner Arbeit nicht versteht, darstellt. Er verklärt. Der Künstler bearbeitet eine bestimmte Perspektive, Frage, aber irgendwie finde ich es interessanter, diese Fragen sprachlich, wissenschaftlich zu perspektivieren. Ausserdem sind das doch nur ziemlich mittelmässige Ideen mit grossem Aufwand umgesetzt. Jede Realität, jeder Mord, jede US Comic Serie, Chopin oder Beethoven sind doch viel geiler als das allermeiste was einem da geboten wird.”

Sarah:

“Wir haben noch garnicht von der Rhetorik und den Diskursen der Galleristen, der Kuratoren und Kunstkritiker gesprochen, wie die über sich und die Kunst und so reden, naja doch, als wir über den Ausdruck dieser Leute gesprochen haben, also die Körperhaltung, die Blicke, die Motivation der Leute, die zivilisatorische Rolle der ganzen Geschichte. Warum sind also gerade in unserer geliebten Kunst, die Leute oft so arrogant und kalt und unreif? Man würde doch erwarten, dass gerade da, wo die Schönheit mit dem Geheimnis, dem Rätsel des lebendig -Seins usw. zusammenkommt, freundliche und offene und achtsame Menschen hervorgehen? Gerade durch das Zusammenwirken dieser Kunstszene- Menschen, müssten doch die sozialen Modelle entstehen die vorbildhaft für die Problemlösungen der Gegenwart sein könnten? Wer mit Kunst ist und mit anderen ist, die mit Kunst sind, wird doch ein besserer Mensch? Sind die Leute in der Kunst, in ihren Institutionen irgendwie anders zueinander, wirkt da die Kunst hinein? Ich weiss nicht. Es wirkt doch so, oder irren wir uns da, das da irgendwie das Können der Kunst verloren geht oder nicht zur Wirkung kommt? Und ist es schliesslich romantischer, naiver Blödsinn zu glauben, Kunst könne messbaren, fühlbaren, grossflächigen Einfluss auf das politische Geschehen haben, auf politische Entscheidungen, das man also sieht, ah schau, hier hat diese Ausstellung, diese Idee, diese Form unser Verhältnis zu unseren Freunden, zu ostukrainischen Kriminellen oder zu afrikanischen Flüchtlingen, deren Probleme und Not zu verstehen beeinflusst?”

Katja:

“Ach ich weiss nicht. Ich wünschte mir nur, die Unternehmen, die Wirtschaft wüsste wie man die vielen kreativen, nachdenklichen, zarten Seelen aus der Kunstszene für die Verantwortung die sie übernehmen könnten, begeistern könnte. Man böte ihnen Jobs an, die sie annehmen könnten. Für die ist doch sicher irgendwo Gebrauch?Vielleicht hat andererseits die Szene, die ein Bedürfnis hat, ihre Wirksamkeit stärker in der Politik zu spüren, Angst davor, durchsetzungstärkere Menschen einzustellen als diese Softies die so wahnsinnig schlau sind aber so einen verspannten Eindruck machen. Angst wahrscheinlich, dass diese über headhunter gefundenen Kulturmanager keinen Geschmack haben. Vielleicht müssen die Kunst Menschen auch nur noch viel genauer formulieren was sie wollen wenn sie von Politik sprechen, wenn sie darüber sprechen, wie sie in Bezug auf welches Thema, Einfluss nehmen wollen auf die Geschehnisse. Was sie von Bildung oder Erziehung unterscheidet?

Sarah:

“komm lass uns mal nicht weiterrumlabern, komm wir schauen uns mal diese Show von Meese an.

Meese Nummer wird angeschaut.

Katja:

“also das ist für mich die Freiheit der institutionalisierten, risikofreien Asozialität und Anarchie! Ich verstehe nicht, wie das alles übertragbar ist in meine Welt, sein Mut scheint nur zu beeindrucken, denn es ist dann doch nichts weiter als hemmungslos sein und das kann dann auch inhaltlich nur langweilen, ausserdem ist es weder lustig noch neu noch besonders intelligent, vielleicht ist es frei?”

Sarah:

“ja in seinem Rahmen ja, aber welcher ist da schon? was hinterlasst es bei einem: allemals Verstörtheit und Neid das der sich das traut, aber das lässt sich hinterfragen, ist es also schön was er macht, mein Gott nein nicht unbedingt, es ist konsequent aber das ist doch so auch irgendwie einfach, er ist auch nur einer, der seine Nische gefunden hat.”

Katja:

“Ich will noch ein bischen weiter gehen: Ist es revolutionär oder nur spektakulär, klingt gut oder? Kann man da was lernen, über die Freiheit oder über das Neue? Ist es absolute Form der Loslösung oder Verwirrspiel? Befreit es mich von den sog. bürgerlichen Ordnungen? Will er das überhaupt? Und dann ist mir aufgefallen, dass es vielleicht eher Musik als bildende Kunst ist. Eine Bedingung muss doch immer das Verstehbare sein, kann ich es für mich ganz allein zu etwas verwandeln, das Bedeutung bekommt, mich irgendwohin führt? Kann jenseits der Form mehr daraus enstehen? Oder ist es nur die zerstörte Form aus der es die Kraft schöpft? Ich check das hier nicht bzw. irgendwie glaube ich, hat der das nicht drauf.”

Sarah:

“Ich find das gut so: sein Sinn und Mut zur Sinnlosigkeit, das Ausleben des Künstlerklischees,  einfach weiter machen, es nicht abbrechen zu lassen, irgendeine legitimierte Infantilität und ihr Narzismus. Die Frage nach dem Geheimnis und der Subtilität muss nicht gestellt werden. Egal, komm wir zischen ab.”

GARAVITO

07.10.15
11 min
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Eine Reise in kolumbianische Verhältnisse –

Der Fall des Luis Alfredo Garavito

Ein Bericht mit Interview

Wenn es nach einem Rechtsurteil in Kolumbien ginge, wird in wenigen Jahren ein Massenmörder auf freien Fuß gesetzt. Dieser Mann, der unter der Bevölkerung Kolumbiens den Spitznamen “el monstruo” trägt, hat nachgewiesener Maßen zwischen den Jahren 1992 und 1999 über 220 minderjährige Jungen im Alter von 8-13 Jahren misshandelt, vergewaltigt und ermordet. Er ist damit einer der größten bekannten sexuell motivierten Massenmörder der Geschichte. Übertroffen wird er wahrscheinlich nur von seinem Landsmann Pedro Alonso Lopez der in den 70er Jahren vermutlich weit über 300 junge Mädchen ermordete. Lopez wurde 1980 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt und nach nur 13 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Er lebt seitdem in Freiheit und ist untergetaucht.

Wie es im Fall Garavitos zu dieser extrem hohen Zahl an Opfern kommen konnte, kann u.a. die instabile Situation Kolumbiens beitragen: Schon seit vielen Jahrzehnten existiert in einigen Teilen des Landes keine kontinuierliche rechtsstaatliche Ordnung. Die Macht über das Staatsgebiet Kolumbiens muss sich der Staat mit verschiedenen illegalen, bewaffneten Gruppen teilen. Darunter sind vor allem die durch die immer wieder missglückten Friedensverhandlungen mit dem Staat bekannter gewordene Guerillaorganisationen FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia), die ELN (Ejercito de Liberacion Nacional), verschiedene Drogenkartelle sowie paramilitärische Gruppen wie die AUC (Autodefensas Unidas de Colombia).

Die Zahl der verschwundenen Kinder in Kolumbien ist hoch: Sie verlassen ihre zerrütteten Familien um in der Großstadt Arbeit zu finden oder werden gewaltsam von eben diesen bewaffneten Gruppen für deren Kampf rekrutiert.

Diese soziale Situation machte es Garavito leicht, unerkannt und ohne großes Aufsehen seine Verbrechen zu begehen. Er schlug sich als Gelegenheitsarbeiter und Straßenverkäufer durch, reiste umher und veränderte sein Äußeres häufig.

Einige Male lebte er unauffällig in nicht-sexuellen Beziehungen zu alleinerziehenden Müttern und übte seine Vaterrolle, wie später bekannt wurde, fürsorglich aus. Wenn er jedoch umher reiste, lockte Garavito seine Opfer mit Nahrung, Drogen oder Arbeit, bevor er sich an ihnen verging und sie daraufhin, oft alkoholisiert, ermordete. Nur eher zufällig wurde er 1999 festgenommen. Ein Passant hatte ihn bei einem Übergriff überrascht und den Vorfall gemeldet. Die Polizei leitete daraufhin eine Großfahndung ein und konnte ihn kurz darauf verhaften.

Schon nach kurzer Haftzeit kontaktierte Garavito,  mit der Hilfe seines Anwalts und des Gefängnispriesters das Parlament und die katholische Kirche. Es gelang ihm, hohen Würdenträgern der Kirche und Politikern glaubhaft zu machen, er werde sich nach seiner Haftzeit für Kinder in Kolumbien einsetzen. Außerdem sei er zum Christianismus, einer in Südamerika sehr verbreiteten und mächtigen religiösen Gemeinschaft, übergetreten. Gott habe ihm seine Taten verziehen.

Einen weiteren geschickten Versuch eine frühere Haftentlassung zu bewirken, unternahm Garavito, indem er sich als schizophren erkrankt darstellte. Er sei von satanischen Stimmen besessen, die ihm die Morde befohlen hätten. Er habe keine Wahl gehabt, als ihnen zu folgen. Auch leide er an Erektionsproblemen und sei auf dem Wege impotent zu werden, wodurch in Zukunft von ihm keine Gefahr ausginge.

Garavito hat in seiner bisherigen Haftzeit lediglich ein einziges Interview gegeben, das ihm bei der Verwirklichung seiner Ziels – die Haftentlassung – so sehr schadete, dass er bis zum heutigen Zeitpunkt keines mehr geben sollte. Dieses Interview gab er im Jahr 2006 dem kolumbianischen Fernsehjournalisten Guillermo Prieto Larrotta, der es in einer sehr erfolgreichen Sendung über Garavito zeigte. Prieto Larrotta hatte darin mehrere Experten wie Psychologen und Staatsanwälte unter anderem nach Garavitos Gefährlichkeit befragt. Sie hatten diese vehement bejaht und dadurch Garavitos Ruf ruiniert.

Dem Autor ist es jedoch durch großes Bemühen gegenüber der kolumbianischen Gefängnisbehörde und gegenüber Garavito gelungen, ein weiteres Interview zu führen. Es fand in einem Hochsicherheitsgefängnis einer kolumbianischen Kleinstadt statt. Die Reise führte in einer kleinen zweimotorigen Maschine vom Andenplateau Bogotas hinunter in die Hitze der Llanos, im Osten Kolumbiens gelegenen riesigen Grasssteppen. Die Landepiste war eine große Wiese inmitten ärmlicher Siedlungen auf der bis kurz vor der Landung noch Jugendliche Fußball spielten. Der Flughafen bestand aus einer alten Wellblechhalle. Irgendwo am Ende der Stadt lag dann dieser riesige, rostende fast ruinenhafte Bau des Gefängnisses. Hinter mehreren Gefängnistüren saß Garavito in einer eigens für ihn gebauten Einzelzelle. Etwas verwahrlost und wirr, matt und zugleich ziemilich angespannt wirkte er. Er hatte bereits einige Jahren vollkommen isoliert in diesem kargen Raum gefesselt zugebracht.

Im Folgenden ein Auszug aus dem Gespräch mit Garavito:

Gabriel Loebell: “Herr Garavito, wie stehen Sie heute nach einigen Jahren zu ihren Taten?“

Luis Alfredo Garavito: “ Ich kann nur sagen, dass das, was passiert ist, mir sehr leid tut, das ich gut verstehe, dass ich hier jetzt sitze, dass ich verstanden habe dass ich Unrecht getan habe, dass mir aber auch aus meiner neuen Beziehung zu Gott heraus verziehen wurde und dass ich bereit bin mich für misshandelte Kinder einzusetzen. Das will ich unbedingt tun! Ich bitte die Menschen um Verzeihung über die ich solches Leid gebracht habe, die Gesellschaft der ich das angetan habe. Auch möchte ich Priester werden, egal für welche Kirche. So scheint mir, darin liegt eine große Chance das Geschehene wieder gut zu machen. Ich will alles wieder gut machen. Aber wissen Sie, was geschehen ist, ist geschehen, ich kann es auch nicht mehr rückgängig machen! Ich habe nun genug Zeit im Gefängnis verbracht um über meine Verbrechen nachzudenken und verdiene jetzt wieder freigelassen zu werden“.

G.L.: „Wie fühlen Sie sich hier, unter welchen Bedingungen leben Sie?“

L.A.G.: „Ich bin hier sehr einsam, wurde total isoliert weil ich ständig Morddrohungen bekomme. Man hat Angst mir könnten Mithäftlinge etwas antun, ich werde es hier nicht mehr sehr lange aushalten, wissen Sie, ich habe schon mehrmals versucht mir das Leben zu nehmen. Mein Zustand ist wirklich furchtbar. Ich werde häufig auf einen Stuhl fixiert um mich daran zu hindern mir wieder etwas anzutun.“

G.L.: „ Aus den Medien konnte man erfahren dass Sie wesentlich an der Aufklärung der Taten mitgewirkt haben?“

L.A.G.: „Ja mir lag sehr viel daran mitzuhelfen. Diese Verbrechen mussten aufgeklärt werden. Sehr geholfen dabei hat, dass ich mir die Mehrheit der Tatorte gut merken konnte, sie also den Ermittlern zeigen bzw. beschreiben konnte.

Nach Garavitos Inhaftierung war auch ein psychiatrisches Gutachten erstellt worden. In ihm wurde die volle Schuldfähigkeit festgestellt.

Trotz des den schwer gestörten Garavito für schuldeinsichtig erklärenden Gutachtens, lassen sich einige auf ihn zutreffende psychiatrische Diagnosen charakterisieren:

Offensichtlich ist Garavito wegen seiner minderjährigen Opfer pädophil. Auch spricht einiges für eine antisoziale Persönlichkeitsstörung und eine ausgeprägten Sadismus.

Unter „Pädophilie“ wird ein emotionales und nicht immer ausschließlich sexuelles Hingezogenfühlen Erwachsener zu Minderjährigen verstanden. Pädophile leben ihre Sexualität trotz dieser zumeist als quälend empfundenen Impulse häufig nicht aus, weil sie von der moralischen und strafrechtlichen Sanktionierung ihrer Bedürfnisse wissen. Nur langsam tastet sich mancher an ein Kind heran, beobachtet es, bis in einigen Fällen seine Frustrationstoleranz schwindet und er, wie Garavito etwa, die Entführung eines Kindes plant. Wenige Pädophile werden aggressiv oder befriedigen ihre Bedürfnisse mit tatsächlichen sexuellen Handlungen. Sie suchen die Nähe zu Kindern, versuchen Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Meist geschieht dies manipulativ und die eigentlichen Motive verschleiernd. Zu brutalen Übergriffen wie im beschriebenen Fall kommt es nur selten und dann nur in Kombination mit anderen psychischen Störungen.

Was aber ist unter einer antisozialen Persönlichkeitsstörung oder auch Psychopathie zu verstehen?

Das Fehlen von Mitgefühl in Bezug auf die Empfindungen Anderer, das Missachten sozialer Regeln, das Fehlen jeglicher Angst als auch ein schwaches Selbstwertgefühl sind häufige Eigenschaften solcher Persönlichkeiten. Dieses schwache Selbstbewusstsein versuchte Garavito durch besonders machtbetontes, grausames Verhalten gegen Andere, auszugleichen. Zentral bei psychopathischen Menschen ist auch die Unfähigkeit für das eigene Handeln Verantwortung zu übernehmen und stattdessen Andere dafür verantwortlich zu machen. Im Falle Garavitos könnten das die erfundenen Halluzinationen des Teufels sein, der ihn zu den Morden aufgefordert haben soll. Ein weiteres Beispiel wären auch seine andauernden Rechtfertigungen und Entschuldigungen, die durch die Misshandlungen an ihm selbst zustande gekommen seien.

Hinzu kommt noch starke Impulsivität, also eine häufig niedrige Schwelle für aggressives, gewalttätiges Verhalten. Wichtig bei dieser Art extremer Menschen ist auch eine Tendenz zur ständigen Manipulation Anderer. Antisoziale Persönlichkeiten machen von ihr ob ihrer meist überdurchschnittlichen Intelligenz oft Gebrauch. Ein Beispiel hierfür könnte Garavitos Fähigkeit sein, nicht nur Kinder zu überreden sondern auch Politiker und Geistliche von seiner Wandlung zu überzeugen.

Seine im Gespräch deutlich gewordene Angewohnheit, sein Gegenüber nicht zu Wort kommen zu lassen, ließe sich als sein Bedürfnis verstehen, Kontrolle über dieses auszuüben. Garavito versuchte durchgehend angsterfüllte Themen zu vermeiden. Auch schien er verhindern zu wollen, bei seiner manipulativen Strategie entlarvt zu werden. Er unterbrach seinen Redelauf, war plötzlich unkonzentriert, im nächsten Moment wieder unangenehm aufdringlich, nur oberflächlich interessiert, aufgesetzt charmant und darüber hinaus häufig gehetzt. Am auffälligsten aber war wohl die Routine und Selbstverständlichkeit, mit der er bereit war, über seine Verbrechen zu sprechen. Er mordete und setzte sich danach hin, um Mittag zu essen. Er schien seine Taten nicht nachvollziehen zu können, seine Empathie für das Empfinden Anderer fehlte vollkommen. All die von ihm immer wieder gezeigte Reue wirkte wie ein vorgefertigter Text, den er bei jeder Gelegenheit wiederholte. Es existierte keinerlei Reflektion über das Geschehene, was bei einem derart gestörten Menschen ohne langjährige Therapie ohnehin kaum vorstellbar ist. Niemals wäre auf den ersten Blick vorstellbar, dass hinter dieser flapsigen und wirren Kälte ein skrupellos kalkulierender Lustmörder steckt, der seine Opfer brutal fesselte, vergewaltigte, folterte, ihnen Gliedmassen abtrennte und die Kehle mit einem Messer durchschnitt.

Von Fachleuten wird angenommen, dass zur Entwicklung des Sadismus wesentlich die Unfähigkeit beiträgt, sexuelle Beziehungen zwischen der Pubertät und dem Alter von ca. 24 Jahren entwickeln zu können. Unter diesen Umständen können sich Phantasien von Sexualität mit denen von Aggression und Frustrationen mischen. Der Wunsch nach Machtausübung, Rache und Dominanz wächst. Diese Reaktionen können nun mit dem psychologischen und körperlichen Leid der Opfer in Beziehung treten. Der Täter gewinnt an Selbstwert und erfährt Lustgewinn durch das Leid seines Opfers.

Aber wie ging es denn nun weiter?

Auch wenn seitens der Staatsanwaltschaft schon Initiativen angelaufen sind, zu  verhindern was bereits mit Pedro Alonso Lopez geschehen war, muss auch Garavito von den ursprünglich verhängten 40 Jahren Haft vermutlich nur 15 absitzen. Das würde heißen, dass er schon bald wieder frei käme.

Wie aber konnte es dazu kommen? Hier spielt die Tatsache eine Rolle, dass die Verurteilung Garavitos nicht durch einen Gerichtsprozess zustande kam, sondern durch die in Kolumbien bestehende Möglichkeit, wenn es die Beweislast zulässt, Personen außergerichtlich zu verurteilen.

Zu einer derartig kurzen Haftzeit kam es darüber hinaus, weil es gemäß des kolumbianischen Strafgesetzes nicht wie in den USA zu einer Addition der Haftzeiten durch mehrere begangene Straftaten kommen kann. Verurteilt werden kann man also für die jeweilig höchste Straftat, in Garavitos Fall zu Mord nur ein einziges Mal. Garavito ist somit wegen Mordes verurteilt worden, gleichgültig ob es sich um Mord oder wie in diesem Fall um Massenmord handelt. Außerdem kommen haftverkürzend seine gute Führung und seine Bereitschaft zur Mitarbeit an der Aufklärung der Morde hinzu. Garavito erinnerte sich in der Mehrheit der Fälle genau an Hergang der Morde, Tatorte und Verbleib der Leichenteile. 

In Kolumbien wird nun heiß diskutiert wie zu verhindern ist, dass Garavito frühzeitig aus der Haft entlassen werden muss. Wichtig erscheint jedenfalls, dass er einen richtigen Prozess bekommt, daran gehindert wird suizidale Handlungen auszuführen und dass er vor fremder Gewalteinwirkung geschützt wird. Offensichtlich ist auch, dass er in Haft bleiben muss, da von ihm in Freiheit weiterhin erhebliche Gefahr ausgeht. Darüber hinaus steht ihm das Recht auf faire Haftbedingungen zu, als auch zu einer Therapie, zur professionell geführten Auseinandersetzung mit seinen Taten.

LA 2

Gabriel Loebell Herberstein about the subtle terror of civilisation
07.10.15
2 min
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Wer auch immer in dieses Land kommt, wird seine Eigenart nicht behalten dürfen, wird sie auf eine trickreiche, meist unbemerkte Art verlieren. Er wird einer perfekt vereinheitlichten Variabilität, also genau definierter Beweglichkeit, einem schleichenden Terror der Zivilisierung, einem Zwang zur Vergemeinschaftung, aber aus Überzeugung zur Freiwilligkeit, sanft unterworfen werden, in deren Raum er sich ab jetzt zu bewegen hat. So ist Gespräch Werkzeug, ein Zugreifen auf genau verfügbar Gemachtes, zugeschnitten auf den immer gleichen Verlauf, mit den immer gleichen Zeichen. Eine Form des Umgangs, des Sprechens unmittelbar unterhalb der Oberfläche. Vermutlich besteht das gesamte Repertoire an Vermittelbarem aus nicht mehr als 100 Zeichen und drei weiblichen und fünf männlichen Stimmen, Stimmmelodien, einem jeweils dazu gehörigen Quietschen, Grunzen, Lachen und Gurgeln. Ein zwanghafter, kollektiver Drang zur flachen Expression: “…you know, it’s kind of like… you know what I’m saying…?” Ein das Fremde imprägnierendes Misstrauen und Heucheln, ein routiniertes, automatisiertes Verfahren des Fragens, der detektierende  Blick. Der Andere existiert nur, weil er unmittelbar als fast identisch wiedererkannt werden kann und muss. Ein schillerndes Beispiel ist Los Angeles, ein Sammelbecken von ehemaligen Psychotikern, Anarchisten, Hippies, Extremisten, Sektierern und Synkretisten. Sie vegetieren in einer Blase von Reibungslosigkeit, betäubt und gelähmt von sozialer Restriktion und Sanktion, Zombiehafte Kreaturen, die sich von irgendwelchen Gemüsebrühen, dicken Frucht-Getreide-Schlacken und milchigen Schaumplörren durchspülen lassen. Hinter all dem wacht und lauert ein fauliges, gigantisches Staatsgebilde, bedrohlich und unberechenbar.

Los Angeles

Gabriel Loebell Herberstein about being down and out Downtown
07.10.15
6 min
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Mit einen Kanister Wasser und meinem Pass fahre ich zur 5. Ecke San Pedro. Auf Zeitungen, Kartons, alten Matratzen oder mitten auf dem Trottoire liegen Menschen. Eine in ihrem Erbrochenen. Viele humpeln, trotten, schlurfen, magisch roboterhaft gesteuert, irren sie wie Zombies durch die fast leeren Straßen, ziehen Einkaufswägen voller prall gefüllter Plastiksäcke hinter sich her. Sie jammern, brabbeln. Sie zucken oder heulen laut, sitzen katatonisch herum oder schreien sich gegenseitig über die Straße hinüber an. Ihre lumpige Kleidung ist verdreckt und steif von Blut und Urin und Essensresten und Straßendreck. Auch auf ihrer Haut, in ihrem Gesicht klebt brauner, schwarzer Rand, und die Haare baumeln einigen als dicke Zotten vom Kopf. Sie verdrehen ihre Augen, haben sie weit aufgerissen.

Ich denke, was wenn ich hier bleibe, wenn diese zwei Nächte und Tage, die ich unter diesen Menschen bleiben will, nur die ersten von hunderten und tausenden Nächten und Tagen unter Brücken, in nassen Betonritzen, unter dem über mich hinweg donnernden Verkehr sein würden, im Dreck der Straßen und Geschäftseingänge, die Schmerzen durch den Schlaf auf dem Beton, ausgesetzt der Helligkeit und Hitze, der Sonne, der Willkür von Polizei und dem Elend der Anderen, der Folter ewiger Müdigkeit, Langeweile und Hungers.

Ich gehe los, in diesen Tag hinein, vielleicht vier Stunden. Ich werde sehr bald sehr müde, ich suche was, wo ich etwas schlafen kann. Es ist brütend heiß, in kürzester Zeit bin ich ausgetrocknet, bald stoße ich auf einen kleinen Park, in dem schon einige andere liegen. Finde einen schattigen Platz unter einer Palme. Schlafe ein, wache schwitzend wieder auf, ich stinke nach Schweiss, ich laufe weiter. Ich setze mich auf eine Bank, sehe tausende Autos an mir vorbeifahren. Wenn ich sitze, fläze ich mich hin wie sie und ich atme leicht, und die riesige Straße ist ein Klang eingehüllt in Wüste und Staub.

Es wird dunkel, und ich bekomme Angst. Ich muss einen Schlafplatz finden, mich irgendwie geschützt fühlen, nicht frieren, nicht überfallen werden. Ich treffe auf immer mehr Obdachlose. Zuerst setze ich mich auf den Boden, an eine Wand gelehnt, werde beglotzt und angepöbelt. Ein Typ wankt auf mich zu, Hector aus Mexico, sagt er irgendwann, nachdem er mich anfaucht, was ich hier will. Er sagt mir, dass er hier seit 13 Jahren lebt, dass er aus einer Psychiatrie von einem auf den anderen Tag von Reagan oder Bush oder so entlassen wurde. Es ginge hier den meisten so. Er braucht lang, um das zu erzählen, weil er so ein gedrängtes, zerfahrenes Denken voller Wahneinfälle hat, so viel Unverständliches laut herunterbetet. Er stinkt schrecklich aus seinem Mund, und das Gefuchtel weht den Geruch fauliger Wunden zu mir. Er verzieht sich bald wieder in seinen Verhau aus Holzkisten und Müllsäcken. Ich bin sehr, sehr müde und will nur noch liegen, lasse mich langsam zur Seite fallen, ziehe meine Beine an, vergrabe meine Armen und meinen Kopf zwischen sie. Von unten, von der Seite sehe ich dass immer mehr Menschen wie Gespenster an mir vorbei ziehen, niemand bemerkt mich mehr, ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben und schlafe ein. Ich weiß nicht, wie viel später, ich wache auf, es ist dunkel, nur das fahle Licht einer gelblichen Laterne fällt auf die Straße, und ich friere. Direkt neben mir liegt wie eine Mumie eingewickelt ein Mensch, dessen Geschlecht und Alter ich nicht schätzen kann, weil er so heruntergekommen ist, eitrige Pusteln und Borsten hat er im Gesicht, alle Zähne fehlen ihm, so liegt er mit geöffnetem Mund gegen die geriffelte Stahl-Jalousien eines Lagern gedrückt. Ich warte und liege lange, und es wird hell. Mir ist übel, vor Hunger wahrscheinlich. Ich stehe auf und gehe, um nach etwas Essen zu suchen. Ich werde von der Polizei angehalten, der Beamte spricht mich grob und bestimmend aus seinem Wagen heraus an, beide Männer steigen aus, mit der Hand an ihrer Pistole, und fordern mich auf, meine Arme auf das Dach des Wagens zu legen, meine Beine zu spreizen, sie greifen mich ab und schauen verdutzt was dieser verdreckte Deutsche hier zu suchen hat. Um nicht verhaftet zu werden, kläre ich sie auf.

Wir liegen, sitzen, lungern verstreut am Strassenrand, vielleicht 60 Männer und Frauen. Manche bei ihren aus Plastikplanen zusammengeschnürten Zelten. Um die Ecke werden es noch viele mehr, Hunderte leben hier so auf der Straße in Downtown. Auf Los Angeles verteilt sind es einige Tausend. Ein großer, stark buckeliger, tief schwarzer, vollbärtiger Mann mit rot unterlaufenen Augen und sabberndem Mund kommt auf mich zu, er krächzt, stöhnt einen Schwall schizoider Verschwörung und Halluzination hervor, wendet sich wieder ab, geht ein paar Meter weiter, zieht sich die Hose runter und scheißt wie ein Hund auf die Straße. Es stinkt wahnsinnig. Ich kann hier nicht bleiben, raffe mich auf und suche mir eine neue Straße, einen neuen Liegeplatz. Ich drücke mich an eine Hauswand. Es ist ziemlich dunkel geworden, keine Strassenbeleuchtung, irgendwelche Papierfetzen, Zigaretten Stümmel, ich schlafe irgendwie ein, meine Arme und Beine, meine Hüfte tut weh, ich fühle mich fiebrig, dämmere, schrecke auf, jemand schreit und weint nicht weit entfernt, einer, der den Stimmen in seinem Kopf antwortet, vielleicht.

Ich habe über 20 Stunden nichts gegessen, ich frage mich durch, wo es etwas zu essen gibt, nicht weit gibt es eine Ausgabestelle. Ich gehe dort hin, niemand da. Ich warte und sitze dort vielleicht zwei Stunden, ich bin so schwach geworden, Leute trudeln ein, es gibt kleine, weiße Sandwiches mit Schinken und Käse. Ich esse, so viele ich kann, vielleicht vier, nehme mir zwei mit und laufe los. Ich will reden und setze mich zu zwei Männern und hebel mich mit einem kleinen, vorsichtigen Zug aus der Crackpfeife, die sie mir anbieten, aus meiner Dumpfheit. Glück flutet meinen Körper. Ich liege herum mit geöffneten Augen und träume das süßeste Zeug, während die beiden akribisch irgendetwas in ihre Taschen sortieren und sich volllabern. Ich dämmere weg, wache mit riesigen Kopfschmerzen auf, ich gehe nach Hause und schlafe.

Moments Like These

Agostina Rufolo about making a literary selfie
02.10.15
1 min
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I, with great difficulty due to a hurt thumb, rolled a joint and headed outside with a box of matches because I hate that smell inside the house and because I wanted to look at the rain. Several matches got turned off by the wind, some accomplished their mission while I watched a little spider coming out of a spiderweb on a corner. So I started walking towards the garden by the trees and thought: “I live for moments like these.” I looked at the sky sensing a lightning coming soon. And in a few seconds it did. So I ran towards the house with a thunder as soundtrack. Inside, Donovan coming out of the computer, thanks for Youtube’s Autoplay. I danced for a little while infront of the mirror and then started writing this. With a break and a chocolate cereal bowl in the middle, switching to Rolling Stones. Is writing something just right after it happened like taking a literary selfie?

Arthouse Pop

Georg Diez about the smart beauty of Malakoff Kowalski
30.09.15
4 min
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It was a hotel on the edge of Tiergarten. Till Harter had invited me and as he had not shown up for the 60showcase event at Weissensee I decided I would go to his event instead. It would be about Jazz, this is what I had understood. The hotel was grand, imposing, expensive, a lot of heavy stone, the way the old Berlin was and the new Berlin wants to be like, but imitation is a boring game.

I went there also because Aram was going to perform a few of his songs. He had had very positive reviews in major newspapers in recent days, he was at the event in Weissensee and stayed until Igor Levit had played Beethoven and everybody was crying inside. He does not perform very often. And I like him. A lot of reasons to go there.

Aram calls himself Malakoff Kowalski when performing. I have forgotten why, and my Iphone refuses to remember that name, it is always Aram, there is a stubborn side to technology. At the hotel, there were maybe fifty people standing on the balcony overlooking Tiergarten, Aram said “Georg” and Till said “Georg” and then I had white wine and Aram and his girlriend had Schorle or Spritz for which they kind of apologized. Then Aram, as always dressed in a white shirt and tight black pants and his imperial black cap, had a glass of water and showed me the bag he had traded the other night with Helene Hegemann who in the last couple of weeks has been shooting her film “Axolotl Roadkill” at all the places everyone goes to all the time and with all the people involved who go to these places. It is the bubble of the bubble, chamapgne bubbles.

Aram is part of this bubble and is not. He is always polite and respectful and surrounds himself with a playful distance, almost detachment. He seems like a character from a movie that looks like it was an arthouse hit in the seventies but really is from 2013. There is a very contemporary feeling of timelessness about him which implies time having passed.

What is so special about Aram’s music is that it seems like a thought prolonged into sound. It works on a musical level and on a literary or maybe even visual level. About the musical side I cannot say a lot, I am pretty illiterate when it comes to that. But as for the images he evokes, the moods he imitates, the streets he draws and the women he paints, there is a lot to be said. As he puts it himself, he wanted to make an album that is like a kiss, like a long embrace, a tenderness, a warmth that may or may not have to anything to do with the digital world, just because everything by definition is related to the Internet today as we live in the digital age.

Suffice to say, I am not convinced that it tells you anything about the beauty, the sadness, the longing of Aram’s music if you relate it to 1 and 0. When he played at the Stue hotel that night, he had an accoustic guitar with a lot of echo which brought to my mind the dark and winding roads on a typical night in the hills above Los Angeles, headlights searching, cars cruising, people on the move, no direction home, a metaphysical loss that is being clouded by the way things always appear smaller when you look in the rear mirror. The memories that Aram plays with might or might not be real, the night sky above Los Angeles is real. The smell of the trees, the touch of a dress, the sound of a car driving by. This is as real as it gets.

But where does that leave love? Aram does not pretend to be an expert, to the contrary, the appeal of his approach is that he talks about loving like an amateur would; and this is not just a nod to this very concept of unplugged emotions, of make-shift relationships, of moment to moment immediacy. Aram reflects in his words, in his music the way that love is constructed without tearing apart the secret that surrounds it. He leaves intact the mystery, he even creates a new form of mystery by referencing the accoustic version of life. His guitar as much as his voice lead us astray, they turn us on, they make us long to be someone else and ourselves at the same time, because they dream up a life that never was – which is maybe the closest one comes to fulfillment.

Death in the Theater

Georg Diez about the meaning of Maxim Biller and his play "Kühltransport"
24.09.15
3 min
Salon | 60showcase

German theater, like a lot of things in Germany, is supposed to be the best in the world, this is at least what Germans like to think. I am not so sure. I was a theater critic for a while, and just the other day, in the drunken hours after the 60showcase, Mavie Hörbiger again tried to convince me that I was any good. Whatever. These times are over, the theater lost me, or I lost the theater, we grew disenchanted, this much I can say. 
But back in the day when the theater was still young for me, my friend Maxim Biller had the idea of writing a play. He had never been particularily interested in this art form, as far as I know. He might have been inspired by Thomas Ostermeier who had just been named director of the once famous Berliner Schaubühne at a very young age. There was a certain cultural pull in this direction for a while. This has turned out to be an illusion in a couple of ways.

But Maxim wrote this play, “Kühltransport”, he dedicated it to Thomas Ostermeier, in 2002 there was a really good reading at the restaurant of the Schaubühne with its Bauhaus influenced large glass windows – and then the play somehow disappeared. It was performed once or twice in smaller theaters, but it has never had the influence or relevance it could have had.

It is true, this play and the others he wrote after that are different from almost all other plays that are written in produced in Germany, they try to find a way to talk about the world we live in in a language people might actually use. They are political, they are straight forward, they apply art as a means of understanding, not of showing off. And, so it happens, they are rarely performed, if at all.

Which is strange. Really strange, considering how few good plays are out there. But what is the meaning of this? The theaters and the theater directors seem a bit shy to tackle his plays that deal with jewish life in Germany – and, in the case of “Kühltransport”, his first play, the tragedy of the 58 Chinese who in 2000 died in a container, suffocated to death. Biller reconstructs the last hours of these people, he goes back to China and moves across to London and Rotterdam to understand how this could happen and what the reasons, motivs, consequences are.
15 years later it is not any longer Chinese who are coming, who are dying, it is Syrians. The play is still not performed. This is why 60pages published it, in German. This is why we had a reading of parts of it, at the 60showcase on September 20 in Berlin Weißensee. Thank you Pedro Martins Beja, Sergej Lubic, Tom Radisch, Aram Tafreshian, Max Urlacher!

The art of the contemporary 3

Marie-France Rafael about the commodification of the present
24.09.15
4 min
Post
  1. Gallery – Day

The show has been set up. The front window of the gallery is filled with snails. Inside a camera team from the local TV station is filming. Along the walls of the gallery 2000 science fiction books have been pilled up in alphabetical order, a work by Post Brothers. Other works like a pink c-print on canvas showing to horses are leaning against the wall on the floor. In the back room of the gallery the curator Chris Fitzpatrick is giving one interview after the other. He, the gallery assistant (A) and an art historian (M) have set down for a little chat.

M

(to Chris Fitzpatrick)

Chris, tell me, what is contemporary art for you?

Chris Fitzpatrick

I think contemporary art is more and more indiscernible.

It is less and less essentialized in any kind of given space.

So it is happening that the artists are interested more and more in applied things, leaving art context altogether.

I was telling someone about Post Brothers collection of science fiction books, a collection of 2000 titles. In all of them you have a somehow antiquated idea of the future that already passed – a kind of space aged idea of the future from 1987 and now we are in 2015. It puts a graveyard of great ides that didn’t get realized…

The camera team steps in. They finished their work and are leaving.

Chris Fitzpatrick (CONT’D)

(to the camera team)

Oh, buy and thank you.

(to M)

And so to me the conflation of all the different people, voices and subjectivities that lead to the collection being there and how it is arranged in this sort of absurd alphabetical topography is very much like contemporary art. It’s what that does by doing that. That’s the picture, the picture now is well beyond its frame. To me the information is embedded in that.

A

(to Chris Fitzpatrick)

I think there is an another interview scheduled, maybe we should take a little break if that’s ok?

M

(to both of them)

Yeah, sure, I can come back in a few minutes.

Chris Fitzpatrick is joining his other interview partner and Marie-France Rafael steps out for a few minutes. We see her entering a bakery around the corner and eating her sandwich while walking back to the gallery.

All the three of them are sitting again in the backroom of the gallery.

M

(to Chris Fitzpatrick)

Let’s pick up the conversation where we left it, talking about the picture.

Chris Fitzpatrick

The picture is not necessarily inside a frame. There are things that are invisible, but implicitly they are there. You can’t see those things, but you can see the effect they have on other things.

M

(to A)

And what is contemporary art to you?

A

It could be different things.

Someone is entering the room. A is saying “Hi” but is still continuing talking.

A (CONT’D)

For me as someone who is selling art it is also an exchangeable good. We consume it, but we don’t really need it. But it gives you something.

The complexity of contemporary art is how you deal with it, literally in the double meaning of “to deal”. The snails are a good example, once you put them in the gallery they become art.

Chris Fitzpatrick

For me art isn’t a commodity at all.

If her job is to sell, my job is to spend money.

I only think of art as a kind of pursuit that makes life livable. Without artists the world would be completely uninhabitable. And the fundamental thing about contemporary art is that it is not very contemporary but futurological.

Fear and Trembling in Buenos Aires

Agostina Rufolo about how a spider can make me feel the luckiest girl.
21.09.15
4 min
Post

In the midst of zapping I found the film “XXY” with Valeria Bertuccelli, Ricardo Darín, Martín Piroyanski, and Inés Efrón as its main actors on an Argentinan Cable TV channel called “Volver” something like “Return”, so, basically, they broadcast old Argentinian TV shows and movies, this one’s not that old, so it surprised me to see it already there, or was surprised by the constant and rapid passage of time. 

It was nice to catch this film on the telly because I had a weird week and I was tired after my dance class that evening. So my body was tired but my mind was spinning around and this movie is set in Uruguay, where my mum is from and it relaxed me to observe the isolated beach and the calm and steady Uruguay lifestyle. Early on the week I went to my dance class, then left at 11PM to a friend’s for 2 days because his parents were out of town. The second day my battery went off and I didn’t have a charger with me, and since I’m not really fond of cell phones, I’m usually happy when that happens, I was online anyway. But my dad freaked out and reported me as a missing person because my phone was off. They never talked to me on FB, a friend did, which is how I found out I was apparently missing, talked to my mum on Facebook, and she was online, which made everything really weird. Then later that day, as I got to school at 8PM, they were evacuating it because the Earthquake in Chile was felt in Buenos Aires as well, which never happens. Buses here usually vibrate so much I didn’t feel a thing. I got inside passing through the security guy telling me not to, while other students were taking pics and filming the event, because that is how good we Argentinians are at evacuating a place, we just think nothing will happen to us, I guess, Buenos Aires having little climatic and geographical trouble in that sense. My professor was still inside the class saying he was too concentrated talking about “Fear and Trembling” by Søren Kierkegaard that he didn’t feel a thing, but he liked the FX added to his class. I went home feeling like I didn’t belong, feeling as if I were really missing and I wasn’t supposed to be living my life normally or feeling like in another dimension I was really missing, who knows in what kind of situation. Or maybe I was in this other dimension, where I was living my life normally but the real me was missing. And I survived an earthquake(?)

I was still over-thinking while watching “XXY” and I felt a presence. Really near me. I kept watching the TV, ignoring the feeling. Eyes lost on the screen while a thousand thoughts ran through my head. A few centimeters from my eyes I see a little spider coming down from the wooden ceiling. I observed it, happy to had such a lovely visitor. It went down, slowly, all the way to my right leg and instantly started going back up, passing by a few centimeters from my eyes once again, till I lost sight of it, once it camouflaged itself with the wood. 

It reminded me of when I was little and I would keep spiders in jars, only to find them dead in 2 days because I didn’t know how to feed them, till I thought it was better to see them around the house or in the garden, being themselves and alive.

It’s funny how a presence, even if it’s just a tiny spider can make you go back to yourself, to make you care about what matters and to just enjoy that (in)significant moment, which is the only true and existing thing. The rest is just noise.

60showcase

17.09.15
2 min
Salon

If electricity cut off the internet – how many horses would you need to get it on track again? 
We don’t know that neither – but in the meantime we’ll try some stuff. Internet unplugged for instance, and the maximum depth of the digital. 
The best of both worlds. 
This is 60showcase, an event produced by 60pages – the international network of authors, artists, thinkers based in Berlin. 
There will be texts, what ever that means. 
There will be music, very beautiful one. 
There will be moving images, because that clicks. 
There will be food and drinks from Gordon, because he’s so Tiki. 
From 4 pm till 10 pm. 
For all of those who need some fresh air after the Berlin Art Week.

This is how we line up:

16.30 downstairs: Georg Diez / Jagoda Marinic – Thomas Jeppe

17.00 upstairs: Hadley and Maxwell

17.30 downstairs: Sandra Bartoli, Murat Suner, Mariam Zaree

17.30 upstairs: Andrea Hanna Hünniger

18.00 upstairs: “Kühltransport” by Maxim Biller, Reading, featuring Sergej Lubic, Tom Radisch, Aram Tafreshian, Max Urlacher, under the direction of Pedro Martins Beja

18.30 downstairs: Hanno Hauenstein – Gabriel Loebell-Herberstein

18.30 upstairs: Mark Wachholz – Katti Jisuk Seo

19.00 downstairs: Igor Levit

19.30 downstairs: Fabian Wolff – Pippin Wigglesworth

19.30 upstairs: Emily Dische-Becker – Ali Hussein al-Adawy

20.00 downstairs: Armen Avanessian – Christopher Roth – Sam Chermayeff

20.00 upstairs: Sarah Harrison, Angela Richter

20.30 downstairs: Igor Levit

21.00 downstairs: Anne Philippi – Ralph Martin – Mavie Hörbiger

21.00 upstairs: Noaz Deshe (pending)

21.30 Igor Levit

60showcase 

Sunday, September 20th, 2015, 4 pm – 10 pm, Lehderstraße 34, Weissensee, Berlin, 

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07.10.15
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